Steuerberater wechseln — so gelingt der Wechsel für GmbH und Unternehmensgruppe
Stand: Oktober 2026
Bei größeren Unternehmen ist ein Steuerberaterwechsel kein Neustart, sondern eine Übergabe im laufenden Betrieb. Entscheidend ist, dass das Reporting an Bank und Gesellschafter dabei nicht abreißt.
Typische Gründe für einen Wechsel
- Die Zahlen kommen erst Monate nach Periodenende — zu spät, um noch gegenzusteuern.
- Es gibt BWAs, aber keinen Monatsabschluss mit Abgrenzungen.
- Das Unternehmen ist gewachsen, hat weitere Gesellschaften oder eine Holding bekommen.
- Bank, Beirat oder Investor erwarten ein Reporting, das bisher niemand liefert.
- Abläufe sind kaum digitalisiert, Belege und Auswertungen laufen über Umwege.
Der richtige Zeitpunkt
Ein Wechsel ist nicht an das Jahresende gebunden. Gut geeignet ist ein Monats- oder Quartalsende — außerhalb einer laufenden Abschlusserstellung.
Kündigung und Herausgabe der Unterlagen
Ein Steuerberatungsvertrag ist in der Regel jederzeit kündbar, auch ohne Frist (§ 627 BGB); ob Ihr Vertrag Besonderheiten enthält, sehen wir uns vorab an. Der bisherige Berater muss die Unterlagen herausgeben, die er von Ihnen oder für Sie erhalten hat — nicht aber seine Korrespondenz mit Ihnen und seine internen Arbeitspapiere (§ 66 StBerG). Bei offenen Honorarrechnungen kann er Unterlagen zurückhalten, soweit das nicht unangemessen ist; offene Posten sollten daher vor der Übergabe geklärt sein.
Ablauf in fünf Schritten
- 1Bestandsaufnahme und Stichtag. Wir nehmen Gesellschaften, Zahlenflüsse und Reporting-Pflichten auf und legen den Stichtag fest.
- 2Übergabe vorbereiten. Kündigung beim bisherigen Berater, Abstimmung der Übergabe und der noch offenen Arbeiten.
- 3Datenübernahme. DATEV-Bestand mit Saldenvorträgen, Anlagenbuchhaltung, Stammdaten und Lohn-Jahreswerten — ohne Doppelerfassung.
- 4Vollmachten umstellen. Gegenüber der Finanzverwaltung und weiteren Stellen, damit Bescheide und Schreiben direkt ankommen.
- 5Erster Monatsabschluss. Der erste Abschluss nach dem Stichtag wird mit den Vorperioden abgestimmt — danach läuft das Reporting im festen Kalender.
Besonderheiten bei Unternehmensgruppen
- Gemeinsam oder gestaffelt: Eng verflochtene Gesellschaften wechseln am besten zusammen.
- Verrechnungen in der Gruppe: Offene Intercompany-Salden werden zum Stichtag abgestimmt.
- Organschaft: Laufende Pflichten aus bestehenden Organschaften werden ohne Unterbrechung weitergeführt.
- Laufende Reportings: Termine gegenüber Bank und Gesellschaftern planen wir in die Übergabe ein.
Checkliste für die Übergabe
- letzter Jahresabschluss und Steuerbescheide je Gesellschaft
- Summen- und Saldenliste zum Stichtag, Kontenrahmen
- Anlagenverzeichnis, Darlehens- und wesentliche Verträge
- Lohnunterlagen und Jahreswerte
- Bankzugänge bzw. Freigaben für den Datenabruf
- laufende Reporting-Vorgaben von Bank, Beirat oder Gesellschaftern
- alle Steuernummern und die USt-IdNr. je Gesellschaft
Vollmachten: Was Sie selbst tun müssen
- den bisherigen Steuerberatungsvertrag schriftlich kündigen
- die steuerliche Vollmacht des bisherigen Beraters gegenüber dem Finanzamt widerrufen und seine Einträge in der Vollmachtsdatenbank der Steuerberaterkammern löschen lassen
- die neue Vollmacht erteilen — wir richten sie in der Vollmachtsdatenbank ein
- festlegen, an wen Steuerbescheide künftig bekanntgegeben werden
- bei Lohnabrechnung: Vollmachten gegenüber Krankenkassen und Sozialversicherung gesondert umstellen
- die Herausgabe der Unterlagen beim bisherigen Berater anfordern (§ 66 StBerG)
Häufige Fragen
Muss ich bis zum Jahresende warten, um den Steuerberater zu wechseln?
Nein. Ein Wechsel ist auch im laufenden Geschäftsjahr möglich, typischerweise zu einem Monats- oder Quartalsende. Wichtig ist, dass der Stichtag nicht mitten in eine laufende Abschlusserstellung fällt.
Gehen beim Wechsel Daten verloren?
Nicht, wenn die Übergabe geplant ist. Der Datenbestand aus DATEV wird mit Saldenvorträgen, Anlagenbuchhaltung und Stammdaten übernommen; ab dem Stichtag wird ohne Doppelerfassung weitergebucht.
Wechseln bei einer Gruppe alle Gesellschaften gleichzeitig?
Das ist möglich, aber nicht zwingend. Oft ist ein gestaffelter Wechsel sinnvoll, bei dem eng verflochtene Gesellschaften gemeinsam übergehen, damit Verrechnungen innerhalb der Gruppe sauber abgestimmt bleiben.
Kann eine GmbH ihren Steuerberater jederzeit kündigen?
In der Regel ja. Ein Steuerberatungsvertrag betrifft Dienste höherer Art und kann deshalb grundsätzlich jederzeit ohne Frist gekündigt werden (§ 627 BGB). Ob der bisherige Vertrag Besonderheiten enthält, sollte vor der Kündigung geprüft werden.
Welche Unterlagen muss der bisherige Steuerberater herausgeben?
Alle Unterlagen, die er aus Anlass seiner Tätigkeit von Ihnen oder für Sie erhalten hat (§ 66 StBerG). Nicht herausgeben muss er die Korrespondenz mit Ihnen, Unterlagen, die Sie bereits haben, und seine internen Arbeitspapiere. Bei offenen Gebühren darf er Unterlagen zurückhalten, soweit das nicht unangemessen ist.
Dieser Beitrag ist eine allgemeine Information und ersetzt keine individuelle Beratung. Rechtsstand: 21.10.2026.
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